Ralph Stieber   Poetarium • Monologe
Ophelia weigert sich zu ertrinken. Rilkes Panther bricht sein Schweigen. Frida Kahlo spuckt den Surrealisten vor die Füße. Und ein Virus erzählt, warum es zum ersten Mal seinen Job hasst. Nach Jahrhunderten des Schweigens wird zurückgeschlagen: Ralph Stiebers neuer Band ist keine bloße Hommage-Sammlung, sondern eine lyrische Korrekturmaschine.
Im zweiten Band der Poetarium-Trilogie verlässt das lyrische Ich die Bühne. Die Figuren übernehmen. Stieber, selbst jahrelang als Schauspieler auf Theaterbühnen zu Hause, nutzt seine Erfahrung in der Verkörperung fremder Identitäten, um die Leerstellen der Literatur- und Kulturgeschichte neu zu besetzen. Er schreibt nicht über diese Figuren; er schreibt aus ihnen heraus. In dramatischen Monologen und Persona-Gedichten spricht Oscar Wilde aus seiner Gefängniszelle, Lilith zeigt Adam die kalte Schulter und Gott den Mittelfinger, und Brechts Arturo Ui kehrt aus dem Grab zurück, weil er in Donald Trump einen Bruder im Geiste erkennt. Ein Band, der die Grenze zwischen Lyrik und Theater auflöst.